Cass Ecke
 Einmal Biscaya und zurück...
   Eine Segelreise von Glückstadt in die nördliche Biscaya
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Trébeurden - L'Aberwrac'h - Camaret sur Mer - Audierne - Port-la-Forêt
22. - 28. Juni 2009: Ein langer Schlag - leider komplett unter Motor - führte uns von Trébeurden nach L'Aberwrac'h, das ca. 5 Meilen im Landesinneren liegt, so dass wir wie schon bei Lézardrieux und Trégier in einem langen Schlauch zwischen  Felsen bis zum Hafen fahren mussten. In dieser Zufahrt wimmelte es von Strandkatamaranen der örtlichen Segelschule, deren leuchtende Segel zum Glück nicht zu übersehen waren. Außer einem Spaziergang zum Supermarkt sahen wir allerdings nicht viel vom Ort, denn es sollte am nächsten Morgen früh weitergehen - der sog. Chenal de Four stand an. Er führt zwischen der Insel Ouessant und dem Festland hindurch und ist wegen der dort herrschenden Strömungen, der Felsen und der hohen See berühmt-berüchtigt. Der empfohlene Zeitplan brachte es mit sich, dass wir mal wieder um 7 Uhr morgens von L'Aberwrac'h starten mussten. Ganz offensichtlich hatten andere Boote das gleiche vor, denn wir verließen gemeinsam mit nicht weniger als sieben anderen Segelyachten den Hafen. So ging es also in einer Art Flotille zur Meerenge, die sich zum Glück an diesem Tag absolut harmlos präsentierte, denn es herrschte zum Teil so wenig Wind, dass wir sogar motoren mussten. Außerdem war die Sicht hervorragend, also alles keine Problem - allerdings können wir uns gut vorstellen, dass es hier auch ganz anders aussehen kann!
Das Ziel war Camaret sur Mer, ein kleiner netter Ort mit vielen Galerien, ein paar verrotteten Fischerbooten und einem Strand, der sich bei Flut fast in Luft auflöst, d.h. fast ganz überflutet wird.


Im Hafen lag eine Yacht aus Hamburg, deren Besitzer wir kurz kennenlernten. Sie verbringen jedes Jahr den Sommer auf ihrem Boot, entweder hier im Atlantik oder in Skandinavien.
Am nächsten Tag besuchten Rainer und Kaija uns nochmal und unternahmen wieder eine kleine Besichtigungstour mit uns in die nähere Umgebung zu einem Feld mit Hinkelsteinen und zu einem Aussichtspunkt.
 

Unsere nächste Etappe brachte wieder eine bekannte Meerenge mit sich, den sog. Raz du Sein, der zwischen dem Cap du Raz auf dem Festland und der Ile de Sein durchführt. Auch hier soll man möglichst bei Stauwasser durchfahren, um die schlimmsten Stromverwirbelungen zu vermeiden, wobei das in diesem Fall einen Zeitraum von ca. 30 Minuten bedeutet. Wir hatten einen genauen Plan gemacht und diesen auch exakt eingehalten, nur leider kippte der Strom etwas früher als gedacht, während wir noch in der Enge waren. Plötzlich hatten wir Gegenstrom von 2,5 Knoten und kamen nur noch langsam voran. Zum Glück war fast kein Seegang vorhanden, es herrschte kaum Wind, so dass wir wenigstens nicht in eine unschöne Wind-gegen-Strom-Situation kamen.

Ein kurzes Stück vor Audierne wollten wir dann an einem etwas außerhalb befindlichen Anleger Diesel tanken. Die Zufahrt zur Tankstelle ist nur Hochwasser +/- 3 Stunden möglich. Man sollte also denken, dass sie in dieser Zeit auch geöffnet ist, aber nein, wir kamen  erst um 18:30 Uhr und sie war schon ab 17:30 geschlossen. So mussten wir unverrichteter Dinge wieder fahren.
In Audierne erlebten wir dagegen unerwarteten Service: Gleich zu Beginn der Zufahrt kam uns ein rotes Schlauchboot entgegen - der Hafenmeister, der uns sagte, wo wir anlegen sollten. In seinem Büro bekamen wir später eine Hafenskizze mit genauer Beschreibung, auf welchem Weg man den Hafen wieder verlassen sollte, denn es gibt reichlich flache Stellen hier.
 
Der Anleger ist mitten in der kleinen Stadt, direkt am Marktplatz, so dass wir am Sonnabend endlich mal auf einen Wochenmarkt gehen konnten. Hier gab es sogar einen Stand mit deutschen Spezialitäten - Löwensenf, Sauerkraut, Jever Bier. Obst und Gemüse war eindeutig in der Minderheit, stattdessen gab es viele Textilien, Krebse, Hummer, Austern, Fleisch und Käse.
Am Sonntag brachen wir morgens auf in Richtung Port-la-Forêt. Ausnahmsweise wollten wir nun wieder mal nach Osten, nachdem wir in den letzten Wochen fast ausschließlich nach Westen gefahren waren. Leider kam der Wind auch aus Osten, das hieß erstmal kreuzen. In der ersten Wende passierte es dann: Die Genua ging nicht auf die andere Seite, sondern kam ein Stück herunter, und wir mussten feststellen, dass der obere Teil der Rollreffanlage auseinandergegangen war. Das Segel hing in Falten und musste geborgen werden, nur das Genua-Fall war nun oben an der Mastspitze, so dass wir nicht endgültig feststellen konnten, was passiert war und auch das Segeln nicht wieder setzen konnten. Wir versuchten, nur mit dem Groß weiterzusegeln, aber machten viel zu wenig Fahrt, so dass wir mal wieder den Motor anmachen mussten.
Nach etlichen Meilen kurz vor dem Ziel hatten Wind und Welle soweit nachgelassen, dass wir den Bootshaken am Spi-Fall zum Mast hochziehen und mit seiner Hilfe das Genua-Fall nach unten befördern konnten. Ganz offensichtlich hatte sich das Gewinde am Kopf der Rollvorrichtung einfach aufgedreht, schon etwas unglaublich. Nachdem es wieder zusammengeschraubt war, konnten wir die Genua wieder setzen, wobei wir die Gelegenheit nutzten, das alte Ersatzsegel einmal auszuprobieren, was auch gut funktionierte.
In der Bucht vor Bénodet und Port-la-Forêt waren wir dann umgeben von vielen anderen Seglern, es war Sonntag Abend, und die Boote aus den großen Marinas hier kehrten offensichtlich zurück nach Hause. Im Hafen selbst war aber am Besuchersteg noch genügend Platz, wie fast immer waren nur Franzosen und Engländer da. Das Wetter war so gut, dass wir sogar abends draußen gegessen haben, was wir bisher noch fast gar nicht gemacht hatten. Am nächsten Morgen versuchten wir, eine neue GPS-Antenne für unser stationäres GPS zu bekommen, da die Antenne vor ein paar Tagen ihren Geist aufgegeben hatte. Leider zwecklos, ein Händler hatte zwar eine da, nur leider mit dem falschen Anschluss. Der andere machte uns wenig Hoffnung, weil der Hersteller keine GPS-Geräte mehr vertreibt. Wir behelfen uns solange mit unserem mobilen Ersatz-GPS, aber das ist  keine Dauerlösung.
Im hinteren Teil der Marina lagen ein paar riesige Rennyachten, evtl. Teilnehmer der vergangenen Vendée Globe, denn es hingen überall Plakate von dieser Regatta. Im Außenhafen lag außerdem noch ein riesiger Trimaran, vermutlich auch ein Schiff, mit dem schon Rekorde versucht wurden.
 

© 2009 Birgit Jensen